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BILD-Redakteur als Propagandist des rechtsextremen AZOV-Bataillon ertappt

Exklusiv aus der Ostukraine. Es hat sich inzwischen auch im deutschsprachigen Raum herumgesprochen, dass in der Ukraine nicht nur die Berufsarmee einen Krieg führt, sondern auch einige Gruppierungen die dem Terminus Nazis bzw. Neo-Nazis entsprechen. Dazu gehören zum Beispiel das AZOV Batallion, das OUN-Batallion oder die Paramilitärs des Pravy Sektor.  Während die Paramilitärs des Pravy Sektor in die neue ukrainische Nationalgarde eingegliedert wurde, das AZOV Batallion als Vorhut für die regulären Truppenverbände der ukrainischen Armee kämpft, weigert sich das OUN-Batallion sich der Staatsmacht in Kiev unterzuordnen und besteht auf ihre Unabhängigkeit.

Alle drei aber haben eines gemeinsam: die Ideologie eines rassisch reinen ukrainischen Staates nach dem Vorbild Hitler-Deutschlands. Solange das ukrainische Regime nichts gegen sie unternimmt, sind sie bereit wenigstens nach Aussen hin dessen Souveränität anzuerkennen. Sobald aber das Regime versucht ihre Macht einzudämmen, läuft es Gefahr insbesondere vom Pravy Sektor (mit politischer Unterstützung der Svoboda Partei) gestürzt zu werden wie die Beispiele der letzten Tage gezeigt haben.

Wenn es um nackten Terror und Brutalität geht, dann ist vielfach das AZOV Batallion in solchen Fällen involviert, wie zuletzt als sie in der Nähe des Dorfes Shyrokyne einen Soldaten der „Novorossiya Armee“ (NAF) lebendig gekreuzigt und verbrannt haben.

Um das Dorf Shyrokyne toben zur Zeit heftige Kämpfe wo das AZOV Batallion an vorderster Stelle versucht, den Verteidigungsring zu sprengen. Ich selbst war auf meiner Recherchereise in dem Dorf Shyrokyne, wo mich ein Bild der Verwüstung empfangen hat. Nahezu sämtliche Häuser sind zerstört und nur ein paar hundert Meter weiter verlief die Front (in Richtung Mariupol), wo es zu sporadischen Feuerwechseln kam. Die Aufklärer der NAF erzählten mir, dass auf der ukrainischen Seite die Vorbereitungen für eine Offensive getroffen werden und schweres Kriegsgerät unterwegs an die Front ist. Dieses schwere Kriegsgerät ist nun offensichtlich eingetroffen, nachdem mit Haubitzen und Panzern Shyrokyne wieder unter Beschuss genommen wird.

Diese Berichte der NAF wurden nun auch von der ukrainischen Seite bestätigt, und zwar durch Julian Röpcke, einem selbsternannten Experten für Syrien und Ukraine der seit 4 Jahren unter dem Pseudonym „Conflict_Reporter“ auf Twitter seine „Analysen“ unters Volk mischt. Seit Anfang Mai arbeitet er gemäss seiner Selbstauskunft für die BILD-Zeitung, wo er auch erklärt (und auch auf seiner Webseite) wie er zu dieser Anstellung gekommen ist und was er genau tut:

„Deshalb werte ich Augenzeugenvideos (unter anderem von YouTube und Facebook) am Computer zu Hause aus. Die detaillierte Analyse dieser Bewegtbilder kann so entscheidende Erkenntnisse liefern. … Auf diese Weise berichte ich von weltweiten Konflikten, vor allem über die Kriege in Syrien und Ostukraine. Diese Konflikte sind so gefährlich, dass sich kaum ein Journalist in die Regionen wagt.“

Von zu Hause aus analysiert also der BILD-Redakteur (oder Reporter, er selbst scheint sich da noch nicht so ganz schlüssig zu sein welche Position er inne hat; auf Twitter bezeichnet er sich als Redakteur, auf der BILD-Seite als Reporter und auf seiner Webseite als Journalist) die Krisen in Syrien und der Ukraine, obwohl er diese Länder noch nie selbst betreten hat, weil sie ja gemäss seiner eigenen Auskunft nach „zu gefährlich sind“.

Nein, ich möchte mich nicht damit rühmen diese Länder selbst besucht zu haben. Und nein, ich bin auch nicht ein Teufelskerl oder dergleichen. In Syrien und der Ukraine – sowohl West als auch Ost – ist es tatsächlich sehr gefährlich. Wären die Reisen in diese Gebiete nicht extrem gut vorbereitet gewesen und hätte es keine Sicherheitsvorkehrungen gegeben, dann kämen Reisen in solche Gebiete gerade für Ausländer einem Himmelfahrtskommando gleich.

Dennoch ist es aber für einen Journalisten oder Reporter, aber insbesondere für einen Analysten unentbehrlich die Konfliktregionen selbst besucht zu haben um das Leben und Zustände dort einfach persönlich zu erleben. Man muss ein Gespür für dieses Land und die Leute entwickeln, den Konflikt eingeatmet und miterlebt haben, aber das geht nicht zu Hause vom Computer aus.
Welche Kriterien auch immer die BILD zu dieser Anstellung bewegt haben ist mir nicht bekannt, ich wünsche Herrn Röpcke aber viel Glück bei seiner neuen Tätigkeit.

Wenn es die BILD aber auf Propaganda abgesehen hat, dann hat sie mit Sicherheit eine gute Wahl getroffen. Was sonst als Propaganda ist es, wenn Röpcke auf Twitter folgende Mitteilung veröffentlicht:

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Er twittert also, wie das AZOV Batallion mit einem russischen T-64 Panzer auf russische Kräfte in Shyrokyne feuert, eben jenem Dorf das ich selbst besucht habe.

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In weiteren Twitternachrichten zählt er sogar die Verwundeten des AZOV Batallions, was dann doch einen äusserst bitteren Nachgeschmack hinterlässt angesichts der Historie von AZOV, die selbst die ARD im September 2014 (wohl ein Ausrutscher) bestätigen musste:

Ganz offensichtlich ist diese Historie noch nicht bis zum BILD-Redakteur Röpcke vorgedrungen.

Auch wenn er in der Nachricht behauptet dass das AZOV Batallion auf „russische Kräfte“ schiesst, so fehlt doch immer wieder jeglicher Beweis dafür und gehört in die Kategorie „gefährliche Propaganda“, um die Worte des SPIEGEL`s zu benutzen die die „Beweise“ des NATO-Oberbefehlshabers Philipp Breedlove beschrieben haben.
Schliesslich meinte es das Schicksal doch gut mit ihm als ihm die endgültigen Beweise der russischen Armee im Donbass doch endlich in die Hände fielen. Gemeint sind die Militärparaden von Moskau und Donetsk, wo Panzer mit den orange-schwarzen hl. Georg Streifen versehen wurden und dahinter der Stern als Logo der russischen Streitkräfte zu sehen ist.

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Und das wird als Beweis der russischen Streitkräfte gewertet.

Der einzige Beweis den diese Bilder zeigen, ist dass in Donetsk und in Moskau dieselben Flaggen bei den Militärparaden – und das ausschliesslich – zum 70. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland verwendet werden, und diese höchstwahrscheinlich sogar vom selben russischen Lieferanten kommen. Das einiges an den gezeigten Kriegssystemen von Russland im Zuge des voentorg geliefert wurde, ist sicherlich unbestreitbar. Aber daraus eine russische Invasion oder die Präsenz der russischen Streitkräfte im Donbass konstruieren zu wollen, ist eine ganz andere Sache.

Das einzig Positive an dieser fragwürdigen „Berichterstattung“ in AZOV`s Namen des BILD-Redakteurs Röpcke ist, dass er damit unfreiwillig die eigentliche Arbeit der OSZE übernimmt, die sich generell sehr schwer tut mit der Bestätigung von ukrainischen Angriffen. So aber bestätigt Herr Röpcke nicht nur solch einen Angriff den die OSZE nicht vermerkt hat, sondern auch wer diesen Angriff ausgeführt hat.

Auch Bloomberg beteiligt sich an Propaganda

Nicht nur der BILD-Redakteur wurde bei seiner Propaganda ertappt, auch das Wirtschaftsmagazin Bloomberg beschreitet den selben Weg, auch wenn viel subtiler. In einem Artikel über die monetäre Situation im Donbass heisst es, dass es nicht Panzer sind die die Region erobern, sondern die russische Währung Rubel.

Der Artikel beschreibt die tatsächliche Situation, dass in den Läden extra Kassen für Rubel eingerichtet wurden oder dass der ukrainische Hryvnia fast nicht mehr zu haben ist. Soweit so gut. Aber dann fängt die Propaganda an, wo ein Experte der Eurasia Group zitiert wird der meint, dass diese Tatsache ein „weiteres Zeichen dafür ist, dass Russland die de facto Souveränität über das Territorium und die Separatisten hält“. Die extra Rubel Kassen in den Supermärkten werden für die „Kämpfer in Tarnuniformen“ gebraucht, so der Artikel.
Nur gegen Ende des Artikels wird in einem einzigen Satz erwähnt wo das tatsächliche Problem liegt, nämlich der Zahlungsstopp im Herbst 2014 aus Kiev. Egal ob Steuern oder Renten, keine einzige Hryvnia wurde mehr bezahlt und ab Winter wurde das Gebiet dann auch noch vom Bankensystem SWIFT ausgeschlossen.

Waren, Lebensmittel, Gas, Wasser oder Benzin wurde ebenfalls keines mehr geliefert, und wenn doch, dann nur gegen tausende von Dollars oder eben auch Rubels die an den Checkpoints fällig waren. Nach einigen Monaten dieser totalen Blockade gingen den Menschen dann nicht nur die Lebensmittel aus, sondern eben auch die ukrainische Währung.

Deshalb plant die „Regierung“ der Donetsker Volksrepublik auch eine Übergangswährung und ein Zahlungssystem, dass diese Blockade des Regimes in Kiev umgehen kann. Boris Litvinov, der Ratspräsident der Übergangsregierung und Parlamentsabgeordneter von Novorossiya, zeigte während meines Besuches von Donetsk exklusiv die ersten Banknoten der Übergangswährung „Shak“:

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Solange diese neue Währung aber nicht offizielles Zahlungsmittel wird, wird natürlich der Rubel die Oberhand gewinnen nachdem seit dem 1. April 2015 die Volksrepubliken angefangen haben die Renten an die notleidende Bevölkerung auszubezahlen. Aber auch das hat nichts mit einer de facto Souveränität Russlands über die Volksrepubliken zu tun wie es Bloomberg berichtet.

http://www.neopresse.com/europa/bild-redakteur-als-propagandist-des-rechtsextremen-azov-bataillon-ertappt/

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